Gut einen Monat haben wir nun unser Kräuterbeet. Und in dieser Zeit ist so einiges gewachsen! Das einst so aufgeräumte Gärtchen gleicht schon fast einem Dschungel…
In der linken hinteren Ecke hat der selbstgesäte Estragon (Artemisia dracunculus) seinen Platz gefunden. Allerdings haben wir erst im Nachhinein erfahren, dass es Estragon und Estragon gibt – nämlich französischen oder deutschen (Artemisia dracunculus var. sativa) und russischen (Artemisia dracunculus var. inodorata). Ersterer ist der typische Kräuter-Estragon, der russische hat weniger Geschmack – der Varietätenzusatz im wissenschaftlichen Namen lässt grüssen! – und ist etwas bitter. Er ist bis –10 °C winterhart und nur von ihm gibt es Saatgut. Der französische/deutsche Estragon kann nur vegetativ vermehrt werden und ist nicht frostresistent. Auch wenn unser Russe nun gut gedeiht, könnte es passieren, dass er bei Gelegenheit stillschweigend durch einen franco-deutschen Kollegen ersetzt wird. Und nächstes Jahr wissen wir von Anfang an Bescheid…
Vor dem Estragon sitzt der panaschierte Thymian (Thymus vulgaris), den ich letztes Jahr gekauft habe. So langsam aber sicher bequemt auch er sich, nach dem Rückschnitt wieder hübsch zu werden.
Der filigrane Busch ist Dill (Anethum graveolens), ebenfalls in diesem Frühjahr selbst ausgesät. Er entwickelt sich prächtig und wurde auch schon beerntet.
Davor befindet sich unser Dost (Oregano, Origanum vulgare), der schon einige Jährchen auf dem Buckel hat und jeden Frühling wieder brav neu austreibt. Leider haben sich dieses Jahr schwarze Blattläuse auf ihm niedergelassen, die von den im Beet zahlreich vorhandenen Ameisen behütet werden. Gleich neben dem Dost haben wir seine Cousine Marjolaine (Majoran, Origanum majorana) platziert. Lange wollten die Sämlinge nicht so recht, aber inzwischen wächst sie auch ganz gut heran.
Marjolaine den Platz streitig macht der Salbei (Salvia officinalis ‘Tricolor’). Ihn haben wir dieses Jahr dazugekauft, ich wollte ungedingt eine buntblättrige Sorte haben.
Hinter Marjolaine und Salbei putzt sich das gestutzte Currykraut (Helichrysum italicum) vom letzten Jahr auch endlich raus. Es muss sich aber langsam gegen den in diesem Jahr ausgesäten und nun plötzlich rasch heranwachsenden Kerbel (Anthriscus cerefolium) rechts daneben wehren. Davor spriesst nun endlich auch mein zweiter, normaler Thymian. War auch langsam Zeit, bevor er von allen Seiten überwuchert wird.
Vor der ersten Lampe sitzt der unverwechselbare und unverwüstliche Schnittlauch (Allium schoenoprasum). Anno 2005 ausgesät, spriesst er jeden Frühling zuverlässig neu. Die Blüten seien ebenfalls essbar, also werd ich mich bei Gelegenheit nach Einsatzmöglichkeiten umsehen. Als Deko auf einer Suppe oder als farbliche Akzente in Salat und Kräuterbutter kann ich sie mir gut vorstellen.
Der Rosmarin (Rosmarinus officinalis) versteckt sich schämend im Schatten des Schnittlauchs. Letztes Jahr als explizit winterhart gekauft, ist er so gut wie tot. Nachdem sich in «Originalform» nichts getan hat, habe ich ihn auch zurückgeschnitten. Doch leider ohne sichtbaren Erfolg – es tut sich weiterhin nichts. Gut möglich, dass auch er weichen und einem neuen Platz machen muss. Ich träume ja eigentlich von einem koniferenähnlichen, grossen Rosmarin-Busch…
Schräg vor dem Rosmarin sieht es nicht viel besser aus. Meine vor ein paar Jahren im elterlichen Garten ausgebuddelte Zitronenmelisse (Melissa officinalis) will auch nicht recht. Nur gerade vier mickrige neue Triebe haben es bisher geschafft.
Eine kleine Erfolgsstory ist der hübsche Busch dahinter: der Coca-Cola-Strauch (Artemisia abrotanum var. maritima). Letztes Jahr neu dazugekommen, habe ich es im Winter daraufankommen lassen. Vielleicht überlebt er, vielleicht geht er auch ein. Das dürre Geäst, welches den Winter überdauert hat, duftete trotz allem noch immer überraschend intensiv. Im Frühling zurückgeschnitten und rausgeputzt, hat der Strauch schon bald neu ausgetrieben, an den alten Zweigen wie auch mit Neutrieben aus der Erde. Mittlerweile ist er ein wunderhübsches Gewusel von filigranen, nach Cola duftenden Blättern!
Anschliessend an den Coca-Cola-Strauch wuchern die vier Petersilien (Petroselinum crispum). Man vergleiche die Grösse mit dem Foto von vor einem Monat. Die ehemals so grosse krause Petersilie im Vordergrund erscheint langsam etwas mickrig, die drei kleinen (zweimal glattblättrig, einmal kraus) haben ganz schön zugelegt!
Nicht so recht glücklich ist leider der Basilikum (Ocimum basilicum). Etwas geschützt hinter den Petersilien ausgepflanzt, fühlen sich die Ende Februar ausgesäten Pflänzchen nicht so wohl und gedeihen kaum. Das momentan so nasse Wetter ist natürlich auch alles andere als ideal für diese wärmeliebenden, fäulnisanfälligen Gewächse. Ich überlege mir bereits, ob ich nochmal einen Topf Basilikum aussäen soll, falls die Nässe dem ausgepflanzten den Garaus machen sollte. Denn keinen Basilikum zu haben, grenzt an eine kleine Katastrophe!
Die alte Pfefferminze, im Topf ganz rechts, musste draussen bleiben. Dies wurde mir schlagartig klar, als ich sie im Frühling rausgeputzt und neu getopft habe. Im Beet ausgepflanzt, wäre es eine Frage der Zeit gewesen, bis ich hätte «Kräuterbeet» in «Pfefferminzbeet» umbenennen müssen… Zum Trost hat sie die Kollegin links daneben zur Gesellschaft bekommen. Während meine erste Minze einen etwas scharfen Geschmack hat, hat diese mich bei einem Landibesuch mit ihrem sehr milden Minzaroma überrascht und durfte ganz ungeplant mitkommen.
Ebenfalls da stehen Kurkuma und Ingwer, die ich zu früh rausgestellt habe. Die Kälte hat ihr beginnendes Wachstum abrupt gestoppt. Ich hoffe aber, dass trotzdem was aus den beiden wird, wenn dann endlich mal wieder die Sonne rauskommt…
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Sehr hübsch! Schnittlauchblüten schmecken übrigens sehr lecker auch einfach so auf einem kräftigen Stück Bauernbrot mit Quark oder Frischkäse – und das Auge hat auch was davon!
Hallo Kete
Danke für den Tip, klingt gut! Eine erste Ladung Blüten habe ich vorgestern zusammen mit Blätter und Petersilie zu Kräuterbutter verarbeitet und bis zum nächsten Grillieren – momentan ist das Wetter ja nicht danach… – ins Tiefkühllager befördert.